15. April 2025

Myoact

Myoact macht ein unsichtbares Problem sichtbar: muskuläre Dysbalancen, die häufig die eigentliche Ursache für Schmerzen oder Verletzungen darstellen. In der klassischen Diagnostik liegt der Fokus meist auf strukturellen Veränderungen – etwa durch Röntgen, MRT oder Ultraschall. Zahlreiche Studien belegen jedoch, dass viele Beschwerden funktionelle Ursachen haben. Genau hier setzt Myoact an: Mithilfe moderner EMG-Technologie werden neuromuskuläre Ungleichgewichte innerhalb von weniger als zwei Minuten erkannt. Die Ergebnisse werden direkt über ein intuitives Biofeedback-System verständlich zurückgespielt – sowohl für Behandelnde als auch für Patient:innen.

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Wir haben uns mit dem Gründer Simon Roth unseres Startup of the Year-Finalisten unterhalten:

  1. Welches Problem wollt Ihr mit Myoact lösen? 

 Mit myoact machen wir ein unsichtbares Problem sichtbar: muskuläre Dysbalancen, die häufig die eigentliche Ursache für Schmerzen oder Verletzungen sind. In der klassischen Diagnostik wird oft nur strukturell geschaut – mit Röntgen, MRT oder Ultraschall. Dabei zeigen Studien, dass ein Großteil der Beschwerden funktionelle Ursachen hat. Genau hier setzen wir an: Innerhalb von weniger als zwei Minuten analysiert myoact mittels moderner EMG-Technologie neuromuskuläre Ungleichgewichte und gibt sofort verständliche Rückmeldungen via Biofeedback für Patientinnen und Therapeutinnen. Unser Ziel ist es, Schmerzen schneller zu verstehen, effektiver zu behandeln und präventiv aufzuhalten. 

 

 2. Wer steckt hinter der Idee? Erzähle uns von euch, was Ihr bislang gemacht habt und wie es zur Gründung kam. 

 Wir – das sind Philipp Piroth und ich, Simon Roth – sind beide seit vielen Jahren in der Physiotherapie tätig und arbeiten weiterhin aktiv mit Patientinnen. Die Idee entstand aus dem Praxisalltag heraus: Immer wieder sahen wir funktionelle Probleme, die weder durch Röntgen noch MRT erklärbar waren – aber sich über das neuromuskuläre System deutlich zeigten. Die Entscheidung zur Gründung fiel, als klar wurde: Wenn wir dieses Wissen skalieren und digitalisieren, können wir mehr Menschen erreichen und somit einen großen Beitrag zur Lösung eines noch kaum sichtbaren, aber existierenden Problems, leisten.

3. Was sind die größten Stärken von Myoact? 

 Unsere größte Stärke ist die enge Verbindung von tiefem therapeutischem Know-how mit praxisnaher technologischer Umsetzung. myoact ist nicht im Labor entstanden, sondern direkt aus der klinischen Realität heraus – aus dem echten Bedarf von Therapeutinnen und Patientinnen. Wir entwickeln nicht technologiegetrieben, sondern patientenzentriert: Der Mensch steht bei uns im Fokus, nicht das Gerät. Gleichzeitig legen wir höchsten Wert darauf, dass unsere Lösung im Alltag funktioniert – schnell, intuitiv und ohne langes Einarbeiten. Innerhalb weniger Minuten liefert myoact aussagekräftige Ergebnisse, die auf fundierter Wissenschaft basieren. Dabei ruhen wir uns nicht auf dem Status quo aus – wir entwickeln kontinuierlich weiter, lernen täglich durch neue Daten, direktes Anwenderfeedback und die Herausforderungen aus der Praxis. Bisher bestätigen uns über 170 Praxen für Physiotherapie, Orthopädie und neun Vereine aus der Fußballbundesliga.  

 4. Wie geht es mit deinem Startup weiter? Wie sehen die kurzfristigen und langfristigen Schritte aus? 

 Kurzfristig wollen wir den Zugang zu myoact weiter vereinfachen – sowohl technisch, als auch wirtschaftlich. Das heißt: mehr Schulungen, besseres Onboarding, optimierte Usability. Mittelfristig stehen die Internationalisierung und die Ausweitung in die Fitness- und Trainingsbranche, vor allem in Europa, und die Erhebung größerer Datenmengen zur KI-gestützten Individualisierung von Therapien und Training im Fokus. Langfristig möchten wir ein Home-Assessment ermöglichen, das Patientinnen befähigt, ihren eigenen Zustand zu verstehen und sich gezielt zu verbessern – natürlich immer in Abstimmung mit medizinischen Fachkräften und/oder Trainern. Wir glauben an eine Zukunft der hybriden Versorgung von Patienten durch Mensch und KI. Der Patient der Zukunft wird in Teilen sein eigener Therapeut. 

 5. Von den Höhe- und Tiefpunkten einer Gründung: Wie lautet deine größte Lessons Learned? 

 Für mich persönlich – mit Wurzeln in der Physiotherapie – war der Schritt aus der therapeutischen Komfortzone heraus eine der größten Herausforderungen. Ohne das Know-how und die Unterstützung unserer Mitgründer hätten wir diesen Weg nicht gehen können: Andreas Hrabal bringt wertvolle Erfahrung aus der Start-up-Welt mit und hat uns strategisch sowie operativ enorm geholfen. Fabian Sonnenschein wiederum versteht es, Marken aufzubauen und einer Vision ein Gesicht zu geben. Auch unsere Partner haben von Anfang an an uns geglaubt und uns die nötige Sicherheit gegeben, um das Projekt mutig anzugehen. Mein größtes Learning: Egal, wie kompetent man in einem Bereich ist – erst im Zusammenspiel mit anderen entstehen wirklich bahnbrechende Innovationen. Allein kommt man weit, gemeinsam aber weiter. 

 6. Welches Buch oder Tool siehst du als ein Must-Have für Startups?   

 Hier würde ich gar nicht unbedingt ein spezielles Buch oder das eine spezielle Tool nennen. Wichtig ist, dass man das findet, was zu einem passt. Denn eine Sache ist nur dann gut, wenn sie auch regelmäßig genutzt wird. Damit dies passiert, muss es für einen sinnvoll sein und vor allem auch Spaß machen. Da ich ein sehr visueller Typ bin, funktioniert für mich persönlich z.B. miro sehr gut. 

7. Bitte vervollständige folgenden Satz: FrankfurtRheinMain ist für mich…. 

 … nicht nur Heimat und der Sitz unseres Startups, sondern auch eine pulsierende Region, die motiviert über den Tellerrand hinauszublicken und sich etwas zu trauen! 

 8. Welche technologischen Herausforderungen musstet ihr bei der Entwicklung eurer benutzerfreundlichen EMG-Lösung für Ärzte, Therapeuten und Trainer überwinden, und wie habt ihr diese gelöst? 

Die größte Herausforderung war tatsächlich, den schmalen Grad des Kompromisses zwischen wissenschaftlichem Goldstandard (Labor Setup) und der praxistauglichen Anwendbarkeit zu finden. Um dies zu lösen, haben wir uns entschieden, uns vollkommen auf die Software und die Ausbildung zu konzentrieren. Die Hardware beziehen wir von den führenden EMG Herstellern der Welt und sind somit nicht nur an ein System gebunden. Seit letztem Jahr sind wir auch offiziell als zertifiziertes Medizinprodukt gelistet.  

 9. Wie plant ihr, eure Technologie weiterzuentwickeln, um zukünftige Anforderungen in der Sportmedizin und Physiotherapie zu erfüllen, und welche neuen Funktionen können wir in naher Zukunft erwarten? 

 Wir lernen täglich aus den Daten und dem Feedback unserer Nutzer. Dies schärft unser Verständnis davon, was wir noch anpassen können. Eine große und nie endende Herausforderung ist sicher die Ausbildung. Hier entstehen gerade spannende Experimente mit KI Chatbots und digitalisierten Onboardingprozessen.  

Die Herausforderung der Zukunft liegt sicher in der Nutzbarkeit für den Patienten zu Hause. Hier kommen Themen wie Wearables (EMG-Anzug) oder EMG Mikrochips auf den Tisch, die auf Ihre Umsetzbarkeit getestet werden.  Denn das Ziel ist immer vor Augen: Der Patient der Zukunft wird in Teilen sein eigener Therapeut. 

Weiterführende Links:

Website

LinkedIn 

Im Gespräch mit Philipp und Simon von Myoact

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