Wir haben uns mit dem Gründer-Team von ENVIOTECH, bestehend aus Adrian Rhaese und Linh Pham unterhalten:
1. Welches Problem möchtet ihr mit eurem Startup lösen – und warum ist jetzt gerade der richtige Zeitpunkt dafür?
Wir wollen ein Problem lösen, das in fast jeder Stadt existiert, aber oft unterschätzt wird: Straßenbeleuchtung ist in vielen Kommunen noch immer teuer, unflexibel und nicht intelligent steuerbar. Gleichzeitig stehen Städte unter massivem Druck, Energie zu sparen, Betriebskosten zu senken und bestehende Infrastruktur fit für die Zukunft zu machen. Gerade vor dem Hintergrund stark schwankender Strompreise, neuer Unsicherheiten am Energiemarkt und wachsender Anforderungen an Nachhaltigkeit wird deutlich, wie relevant dieses Thema wieder geworden ist.
Genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Die Anforderungen an urbane Infrastruktur verändern sich gerade stark: Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Resilienz und Wirtschaftlichkeit müssen heute zusammengedacht werden. Viele Städte können es sich aber weder finanziell noch organisatorisch leisten, alles komplett neu aufzubauen. Deshalb braucht es Lösungen, die auf bestehender Infrastruktur aufsetzen und trotzdem einen echten Technologiesprung ermöglichen.
Für uns steckt darin auch eine größere Frage: Wie kann es sein, dass eines der wirtschaftsstärksten Länder der Welt in so vielen Städten noch mit veralteter, starrer Infrastruktur arbeitet? Genau an diesem Punkt setzen wir an, mit einer Lösung, die Modernisierung nicht nur visionär denkt, sondern real umsetzbar macht.
2. Wer steckt hinter der Idee? Erzählt uns von euch: euren Hintergründen, eurem Weg zur Gründung und dem Moment, in dem klar wurde, dass ihr ENVIOTECH starten wollt.
Hinter ENVIOTECH steht ein junges Team mit technischem, strategischem und
unternehmerischem Background. Adrian bringt vor allem die visionäre, technische und
produktnahe Perspektive ein, also die Frage, wie Infrastruktur intelligenter, effizienter und
zukunftsfähiger gedacht werden kann und wie sich diese Vision in eine reale Lösung übersetzen
lässt. Linh bringt als zweifache Gründerin insbesondere Skalierung, Struktur, Go-to-Market,
Partnerschaften und den kommerziellen Aufbau ein. Gerade diese Kombination aus
technologischer Tiefe, unternehmerischer Erfahrung und strategisch-operativem Aufbau ist für
uns eine zentrale Stärke.
Die Gründungsidee hat ihren Ursprung in einem sehr realen Erlebnis: Ein Freund von Adrian
verletzte sich auf dem Weg zur Schule, nachdem Straßenbeleuchtung abgeschaltet worden
war. Dieses Ereignis warf die Frage auf, wie es sein kann, dass kritische Infrastruktur in einem
modernen Land an so einfachen Grenzen scheitert. Daraus entstand die Überzeugung, dass
bestehende Straßenbeleuchtung intelligenter, effizienter und sicherer genutzt werden muss.
Der Moment, in dem klar wurde, dass wir ENVIOTECH wirklich starten wollen, war der, als aus
einer Beobachtung ein konkreter Lösungsansatz wurde. Ab da war es nicht mehr nur eine Idee,
sondern ein Problem, das wir unternehmerisch lösen wollten.
3. Was sind aus eurer Sicht die größten Stärken eures Startups?
Eine unserer größten Stärken ist, dass wir Technologie, Marktverständnis und Umsetzbarkeit
miteinander verbinden. Wir denken nicht nur visionär, sondern sehr stark entlang der Realität unserer Zielkunden. Gerade im kommunalen Umfeld reicht Innovation allein nicht aus. Lösungen müssen wirtschaftlich sinnvoll, technisch robust und operativ realistisch sein.
Dazu kommt, dass unser Ansatz skalierbar ist, weil wir auf Nachrüstung statt Komplettaustausch
setzen. Wir ermöglichen Städten einen Einstieg in intelligente Infrastruktur, ohne dass sie ihre
gesamte Beleuchtung ersetzen müssen. Genau diese Kombination aus Pragmatismus, technischer Tiefe und langfristiger Vision ist für uns ein zentraler Unterschied.
4. Wie geht es für euch weiter? Welche nächsten Schritte plant ihr kurz- und langfristig?
Kurzfristig liegt unser Fokus darauf, weitere Pilotprojekte und Partnerschaften voranzutreiben, unser Produkt noch stärker an realen Anforderungen auszurichten und die Grundlage für skalierbares Wachstum zu schaffen. Gerade in unserem Bereich ist es entscheidend, nicht nur ein gutes Produkt zu bauen, sondern auch Vertrauen im Markt aufzubauen.
Langfristig wollen wir ENVIOTECH als festen Technologiepartner für intelligente urbane Infrastruktur etablieren. Unser Ziel ist, dass unsere Lösung nicht nur in einzelnen Projekten, sondern großflächig eingesetzt wird und sich Straßenbeleuchtung von einem reinen Kostenfaktor zu einer intelligenten, steuerbaren Infrastruktur entwickelt.
5. Gründen bedeutet auch Höhen und Tiefen. Was war eure wichtigste Lessons Learned bisher?
Eine der wichtigsten Lektionen war, dass gute Ideen allein nicht ausreichen. Entscheidend ist, wie gut man ein Problem wirklich versteht und wie konsequent man daraus eine umsetzbare Lösung entwickelt. Gerade im Startup-Alltag ist die Versuchung groß, sich in Visionen oder Features zu
verlieren. Viel wichtiger ist es, immer wieder auf die eigentliche Relevanz zurückzukommen: Welches Problem lösen wir konkret und warum sollte jemand genau dafür bezahlen oder es einsetzen wollen?
Außerdem haben wir gelernt, wie wichtig Timing, Fokus und Durchhaltevermögen sind. Vieles dauert länger als gedacht, aber gerade dann entscheidet sich, wie ernst man es wirklich meint.
6. Welches Buch oder Tool-Framework ist für euch ein absolutes Must-Have für Gründerinnen
und Gründer – und warum?
Ein echtes Must-have ist für uns das Denken in klaren Prioritäten und Hypothesen statt in
Bauchgefühl. Deshalb sind Frameworks wie Lean Startup oder auch ein sehr sauberer Build-Measure- Learn-Ansatz extrem wertvoll. Gerade am Anfang hilft das enorm, nicht nur schneller zu arbeiten, sondern vor allem die richtigen Dinge zu testen.
Auf Tool-Ebene ist es oft weniger das eine perfekte Tool als vielmehr ein Setup, das Klarheit schafft: ein gutes CRM, eine durchdachte Produktdokumentation und eine zentrale Struktur für Entscheidungen, Learnings und To-dos. Für uns ist nicht Komplexität der Schlüssel, sondern Übersicht und Konsequenz in der Umsetzung.
7. Bitte vervollständigt den Satz: „FrankfurtRheinMain ist für mich …“
„FrankfurtRheinMain ist für mich ein Ort mit enormer Dichte an Talent, Kapital, Industrie und
unternehmerischer Energie – und genau deshalb ein idealer Ausgangspunkt, um ambitionierte Ideen in reale Wirkung zu übersetzen.“
8. Welche Trends im Smart-City-Bereich beeinflussen eure Entwicklung derzeit am stärksten – und wie reagiert ihr darauf?
Ein klarer Trend ist, dass Städte heute nicht mehr nur nach innovativen Ideen suchen, sondern nach Lösungen, die schnell umsetzbar, bezahlbar und im Alltag gut nutzbar sind. Es geht also weniger um reine Zukunftsvisionen und mehr um konkreten Nutzen, zum Beispiel
Energieeinsparung, bessere Steuerung und weniger Aufwand im Betrieb.
Ein weiterer wichtiger Trend ist, dass Städte keine Insellösungen mehr wollen. Sie möchten
nicht für jede Anwendung ein eigenes System oder ein eigenes Dashboard nutzen. Gefragt sind
offene und einfache Lösungen, die sich gut in bestehende Infrastruktur einfügen und später erweitert werden können.
Genau darauf reagieren wir mit ENVIOTECH. Wir setzen auf Nachrüstung statt Komplettaustausch und machen bestehende Straßenbeleuchtung intelligent nutzbar. So schaffen wir eine Lösung, die wirtschaftlich sinnvoll ist, schnell eingeführt werden kann und
gleichzeitig die Basis für weitere Smart-City-Anwendungen bildet.
9. Wie stellt ihr sicher, dass eure Lösung für Städte und Kommunen effizient, wartbar und großflächig ausrollbar bleibt?
Das beginnt für uns schon beim Grundprinzip: Wir setzen bewusst auf Retrofit statt auf einen vollständigen Austausch. Dadurch senken wir die Eintrittshürde für Städte und reduzieren sowohl Aufwand als auch Kosten. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Lösung so, dass sie technisch robust, modular und in bestehende Infrastrukturen integrierbar bleibt. Wartbarkeit und Skalierbarkeit entstehen aus unserer Sicht nicht erst im Rollout, sondern schon im Produktdesign. Deshalb achten wir stark auf standardisierte Schnittstellen, einfache Implementierung, zentrale Steuerbarkeit und eine Struktur, die auch im großen Maßstab noch praktikabel bleibt. Unser Anspruch ist, dass Städte keine hochkomplexe Sonderlösung bekommen, sondern ein System, das im Alltag funktioniert.
10. Was habt ihr aus euren bisherigen Projekten gelernt, das eure Produktstrategie entscheidend
geprägt hat?
Wir haben gelernt, dass Kommunen nicht einfach nur Technologie kaufen. Sie suchen nach Lösungen, die in ihrem Alltag funktionieren, intern vermittelbar sind und wirtschaftlich nachvollziehbar bleiben. Das hat unsere Produktstrategie stark geprägt.
Deshalb denken wir unser Produkt nicht nur aus technischer Perspektive, sondern immer auch aus Sicht von Implementierung, Wartung, Finanzierung und späterem Rollout. Ein weiteres wichtiges Learning war, dass einfache, klare Mehrwerte oft stärker sind als ein zu breiter Funktionsumfang. Genau deshalb legen wir großen Wert darauf, dass unser Produkt nicht überladen wirkt, sondern präzise dort ansetzt, wo der Hebel für unsere Kunden am größten ist.