Wir haben uns mit den beiden Gründern Dr. Joel Eichmann und Felix Wollenhaupt unseres Startup of the Year-Finalisten unterhalten:
1. Welches Problem wollt Ihr mit Green Elephant Biotech lösen?
Wir wollen die Produktion von Zell- und Gentherapien einfacher, kostengünstiger und nachhaltiger machen. Adhärente Zellkulturen sind heute oft ein Engpass in der Herstellung – teuer, personalintensiv und schwer zu skalieren. Unser Ziel ist es, mit unserer CellScrew-Plattform eine industrielle Lösung anzubieten, die es erlaubt, diese Therapien für Millionen an Patientinnen und Patienten zugänglich zu machen – ohne riesige Investitionen in neue Anlagen und ohne unnötige Abfallmengen.
2. Wer steckt hinter der Idee? Erzähle uns von euch, was Ihr bislang gemacht habt und wie es zur Gründung kam.
Gegründet wurde Green Elephant Biotech Ende 2021 von Dr. Joel Eichmann und Felix Wollenhaupt. Die Kultivierung der später als Produkt oder als Ausgangsorganismus für ein Produkt genutzten Zellen stellt aktuell einer der größten und teuersten Faktoren der Herstellung von personalisierten Therapien, wie z.B. Zell- und Gentherapien (CGT), dar. Die Prozesse basieren auf der Verwendung von entweder massiven Mengen an kleinen Gefäßen oder auf komplexen Systemen mit intensiven Prozessoptimierungsschritten.
Während der Promotion kam Joel erstmalig in Kontakt mit der Problematik der skalierbaren Zellkultur. Ausschlaggebend für die Gründung war lustigerweise ein Wasserspielplatz-Besuch mit seiner Nichte; hier kam ihm die zündende Idee für die innere Struktur: Archimedische Schrauben, mit der sich eine neuartige Bioreaktorstruktur konstruieren ließ. Joel, der zu der Zeit bei GSK arbeitete, kontaktierte Felix, der bereits vorher ein Startup gegründet hatte und zu dem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre als Unternehmensberater bei PwC tätig war. Beide entschieden sich ihre Vollzeitjobs zu kündigen und konnten kurze Zeit später eine erste Finanzierungsrunde einsammeln.
3. Was sind die größten Stärken von Green Elephant Biotech?
Unser Fokus auf das Wesentliche und unsere Bodenständigkeit. Wir entwickeln eine patentierte Technologie, die nicht nur funktioniert, sondern sich tatsächlich in bestehenden Produktionsumgebungen einsetzen lässt – ohne riesige Umbauten und unseren Kunden bereits heute erhebliche Einsparungen an manuellen Prozessschritten und Kosten ermöglicht.
Dazu kommt unser Engagement für Nachhaltigkeit: Wir verwenden pflanzenbasiertes PLA für Einwegprodukte und wollen zeigen, dass Effizienz und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sind. Und nicht zuletzt unser Team: Wir sind mit 20 Personen noch relativ klein, aber haben ein ehrgeiziges und äußerst fähiges Team. Immer wieder bin ich beeindruckt von dem „Drive“ und der Motivation jeder(s) Einzelnen.
4. Wie geht es mit eurem Startup weiter? Wie sehen die kurzfristigen und langfristigen Schritte aus?
Kurzfristig wollen wir die bestehende Kundenbasis in Europa mit unseren beiden nachhaltigen Produkten – der CellScrew und den 96-Well-Platten – weiter ausbauen. Parallel entwickeln wir eine Automatisierungsplattform, um die Arbeitsschritte auf Kundenseite drastisch zu reduzieren. Langfristig wollen wir zum Standard werden für die Herstellung von Zell- und Gentherapien – ein System, das flexibel, skalierbar und nachhaltig ist und in Forschung, klinischer Produktion und schließlich in der kommerziellen Versorgung genutzt wird.
5. Von den Höhe- und Tiefpunkten einer Gründung: Wie lautet deine größte Lessons Learned?
Eine Gründung ist wie eine Achterbahnfahrt. Es braucht auch eine gewisse Naivität, um überhaupt zu starten – denn man kann sich vorher gar nicht ausmalen, welche Art von Problemen wirklich auf einen zukommen werden. So haben im Fundraising anfangs viele Fehler gemacht, die wir rückblickend einfach hätten vermeiden können.
Man muss bereit sein, immer wieder neu zu lernen und sich auf Überraschungen einzustellen. Gleichzeitig ist es unglaublich erfüllend, gemeinsam im Team an der Lösung eines solch bedeutsamen Problems zu arbeiten und zu sehen, wie aus einer Idee ein Produkt wird, das echten Mehrwert schafft.
6. Welches Buch oder Tool siehst du als ein Must-Have für Startups?
Buch: Zero to one (Peter Thiel)– old but gold;
Ansonsten: Ein simples, gut gepflegtes Notion- oder Trello-Board. Transparente Priorisierung schlägt jedes schicke Tool.
7. Bitte vervollständige folgenden Satz: FrankfurtRheinMain ist für mich….
…eine Region voller Industrie- und Finanz-Know-how, die dringend mehr mutige Biotech-Gründungen braucht. Wir freuen uns, hier Teil dieser Bewegung zu sein.
8. Wie überzeugt ihr etablierte Pharma- und Biotechunternehmen davon, von konventionellen Polystyrol-Laborwaren auf eure pflanzenbasierten PLA-Alternativen umzusteigen?
Wir überzeugen Unternehmen, indem wir zeigen, dass unsere PLA-basierten Laborprodukte die gleiche Funktionalität und Qualität wie konventionelle Kunststoffe bieten. Gleichzeitig machen wir Nachhaltigkeit wirtschaftlich attraktiv, indem wir preislich konkurrenzfähige Lösungen anbieten. So helfen wir unseren Kunden, ihre Umweltziele glaubwürdig zu erreichen und fossile Kunststoffe im Labor spürbar zu reduzieren.
9. Euer CellScrew® revolutioniert die adhärente Zellkultur – welche regulatorischen Hürden müsst ihr meistern und wie plant ihr die internationale Markteinführung?
Für die CellScrew® sind regulatorische Hürden vor allem die GMP-Anforderungen und Zulassungsstandards in Zielmärkten. Wir stellen sicher, dass Materialien, Fertigung und Qualitätsmanagement internationalen GMP-Standards entsprechen, und arbeiten eng mit Kunden an deren Qualifizierungsprozessen. Wir könnten bereits heute an unserem Gießener Produktionsstandort gemäß der GMP-Anforderungen produzieren. Für die internationale Markteinführung fokussieren wir zunächst Märkte mit klaren Regularien und hohem Bedarf während wir parallel lokale Distributions- und Supportstrukturen aufbauen.
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